Seit September herrschte hier im Blog Totenstille und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir nicht mal
eine kreative Ausrede zurecht gelegt habe. Am ehesten könnte ich mich wohl mit einer Schreibblockade herausreden, aber
totale Unlust träfe es wohl besser. Worüber schreiben, wenn man nicht viel erlebt?
Natürlich, die Katzen. Aber seien wir mal ehrlich - Katze II beschränkt ihre Existenz auf Fressen und Schlafen und Katze
I ist eine wandelnde Ansammlung von Macken. Ausgeprägten Macken, wenn ich das hinzufügen darf. Und die versteht sie
vortrefflich neu miteinander zu kombinieren.
Wir wissen z.B. dass Katze I, die wir seit geraumer Zeit nur noch Tyrannokatz nennen, es gern warm mag. Läuft die
Heizung im Wohnzimmer nicht oder hat sie womöglich kalte Füße, dürfen wir mit deutlichen Mißfallensbekundungen rechnen.
Diese tätigt sie nicht immer nur verbal, es kann schon mal passieren, dass sie ihrem Unmut über die Blase Ausdruck
verleiht. Ehrenhalber wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass Madame eine chronische Erkrankung des Harntraktes hat und
darum nicht jede Pfütze ihrer schlechten Laune entspringt. Der kluge Dosenöffner beugt also vor und sorgt für eine
angenehme Wärme, damit Katz sich zufrieden auf dem Sofa zusammenrollen und schlafen kann.
Bald reichte es ihr nicht mehr, dass das Wohnzimmer geheizt war. Eine Decke musste her und diese sollte
optimalerweise wie ein Zelt von der Rückenlehne des Sofas auf die Sitzfläche desselben gespannt sein, damit sie sich
darunter verkriechen und schlummern könne. Der Mensch lernt, drapiert die Decke von vornherein so auf dem Sofa und hat
seine Ruhe.
Der Göttergatte hatte es sich dann zur Gewohnheit gemacht, die Decke auf dem Sofa zu drapieren, sich danach kurz
an sein Keyboard zu setzen und ein wenig auf selbigem zu üben. Es dauerte nicht lang und bald schon bestand Tyrannokatz
nicht nur auf ein geheiztes Wohnzimmer mit drapierter Decke, nein, ein Ständchen gehört für sie jetzt auch dazu. Da sie
aber zum Glück keine Ahnung von Musik hat, reicht es ihr wenn man ziellos einige Tasten des Keyboards nacheinander
drückt.
Ich erspare uns allen jetzt mal die detaillierte Beschreibung der weiteren Entwicklung. Nur soviel: Jetzt will die Katze
in einem geheizten Wohnzimmer gefüttert und 3x kurz gestreichelt werden (sonst frisst sie nicht) um sich nur dann unter
die Decke zu verziehen, wenn sowohl die Räucherstäbchen brennen als auch Keyboard gespielt wird.
Und zu unserem
Leidwesen hat Katze II jetzt auch ein neues Hobby: Tyrannokatz ärgern. Sie hat jetzt gelernt, dass sie bei Katze I den
maximalen Zorn hervorrufen kann, wenn sie sich auf die Decke legt, die man vorher säuberlich für selbige auf dem Sofa
drapiert hat und es klappt immer wieder aufs neue hervorragend.