Dienstag, 2. Februar 2010
Blutdrucksteigernd
Da reden die da oben sich den Mund fusselig von der ach so mißlungenen Integration unserer u.a. osmanischstämmigen Mitbürger und wundern sich, warum das alles nicht so optimal ist wie es sein könnte.
Dann wird der Islam bei jeder sich bietenden Gelegenheit verteufelt. Stichworte wären da Kopftuch und Ehrenmord und Terroristen sind das ja sowieso alle. Nun hat sich aber irgendein Schlaumeier ausgedacht, wir sorgen dafür, dass der Islam, bzw. der Unterricht über denselben aus den Hinterhof-Koranschulen in die Universitäten geholt wird. Ob das irgendwas verbessert, halte ich für fraglich. Und ob die Vorlesungen von Terroristen besucht werden, scheint mir auch eher unrealistisch zu sein. Aber gut, warum nicht den Islamunterricht ebenso wie die (christliche) Theologie in die Universitäten holen?
Meines Erachtens ist das kein Zeichen von Integration. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht um die Integration zu fördern, sondern weil man kontrollieren können will, was sonst in Moscheen ohne Wächter passiert. Es ist nichtmal ein ehrliches Zeichen, dass sich bemüht wird. Der Islam ist hierzulande nicht mal als Kirche anerkannt! Es gibt Frauen, die das Kopftuch tragen wollen weil sie es als Ausdruck ihrer Religion verstehen - das geht solange gut, wie sie nicht als Lehrerin in einem Klassenzimmer mit Kreuz an der Wand stehen wollen, weil dann nämlich ganz schnell Ende mit der Religionsfreiheit ist. Wie kann man als Muslim dann annehmen, man würde willentlich integriert um sein Leben gleichberechtigt in Deutschland führen zu können?
Wann war das letzte Mal ein muslimischer Feiertag in Deutschland? Gar nicht? Jüdische Feiertage? Auch nicht? Und was ist mit buddhistischen oder hinduistischen Feiertagen? Fehlanzeige. Wieso eigentlich? Das gehört geändert!
Schon mal was von dem Begriff "Christliche Leitkultur" gehört? Genau, das war das, dass die CSU jedesmal dann aus dem Keller holt, wenn Kreuze in Klassenzimmern abgehängt werden sollen, sie möchten, dass muslimische Frauen ihre Kopftücher abnehmen oder sie sich anderweitig gegen vermeintlich schädliche Einflüsse anderer Kulturen wehren wollen. Interessant ist hierbei, dass Impulse aus anderen Kulturen meistens positive Auswirkungen hatten und Zivilisationen oftmals voran brachte - wenn der Austausch nicht gerade in kriegerischen Auseinandersetzungen statt fand. Darf ich vermuten, dass die CSU keine Weiterentwicklung will?
Wo ich mich jetzt über diese halbseidenen Integrationsversuche ausgelassen habe, möchte ich übere unsere “Leitkultur” gern mal ein paar Dinge loswerden:
Das Christentum haben wir aus dem nahen Osten importiert, ungefähr aus der Gegend, wo sich Israelis und Palästinenser jetzt täglich um das karge Land prügeln. Es war nicht mehr als eine Sekte, erst ab 300 nach Christus wurde es so langsam interessant. Erst mit dem Mailänder Edikt von 313 wurde das Christentum als Religion anerkannt. Bis dahin stand, je nach der Region, Anhängern des Christentums der Galgen oder Schlimmeres in Aussicht. Erst 380 nach Christus wurde das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion und fortan wurde der Glauben mit dem Schwert durchgesetzt. Oder mit anderen Worten: unzählige Menschen mussten sterben bis wir etwas hatten, dass man heute “christliche Leitkultur” nennen könnte. Und das bezieht sich nicht nur auf die Kreuzzüge. Die eigenen Landsleute hat man gemeuchelt und ihnen mit Gewalt den eigenen Glauben ausgetrieben. Mörder sind es, nichts weiter.
Ehrenmorde? Machen doch nur die Araber. Irrtum, Kollege. Ehrenmorde kommen auch in kreuzkatholischen Gegenden vor. Da halten das dann aber alle für richtig und die ganze Nachbarschaft schweigt. Ehrenmorde in katholichem Umfeld können wir uns nicht vorstellen, sie sind aber genauso Realität, ob es uns gefällt oder nicht.
Kopftücher sind nicht nur im Islam ein Thema, wobei ich hier offen lassen möchte, ob der Koran das Kopftuch wirklich vorschreibt. Da gibt es verschiedene Ansichten, unter anderem, dass das Tragen des Kopftuches eher einer Sitte entspringt. Es war lange auch in unseren Gegenden so Usus, dass Frauen ihre Köpfe bedecken sollten. Anderes galt oft als unschicklich. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass vielen Nonnen eine Kopfbedeckung vorgeschrieben ist. Dem interessierten Leser möchte ich an dieser Stelle den Wikipedia-Eintrag zum Kopftuch empfehlen, da steht noch mehr interessantes. Aber beeilt Euch, wer weiß wann der Löschantrag...
Exorzismus gibt es übrigens auch heute noch und damit ist nicht der Film gemeint. Üblichweise werden da wohl nur ein paar Psalme gemurmelt und mit Weihwasser gespielt, aber manchmal geht es auch heftiger zur Sache. Es ist gerade ein paar Jahre her, da ging der Fall einer jungen Frau durch die Medien die an Anfällen litt und wo der Familie nichts besseres einfiel als den Priester zu rufen, damit dieser den Teufel austreiben möge. Das war in Süddeutschland, nicht dass wir uns da falsch verstehen.
Im zivilisierten Deutschland mit der christlichen Leitkultur sterben Menschen
aus Aberglauben.
#1 - Andre Heinrichs besagt:
02.02.2010 11:10 - (Antwort)
Da geht aber noch was. Zum Beispiel Prediger, die sich an Kindern vergehen, oder etwas weniger verharmlosend: Priester,
die Kinder vergewaltigen. Und das teilweise über Jahre und Jahrzehnte. Reaktion der Kirche: Ja, das seien ja aber nur
wenige Fälle im Verhältnis zu den Priestern insgesamt. Ich frag mich da ja, ob das auch zu dem tollen Leitbild
gehört.
Vielleicht hab ich ja nen Tunnelblick, aber ich wüsste nicht, dass Vertreter anderer Religionen so auffällig wären.
#2 - anonym 02.02.2010 16:37 - (Antwort)
Mir fällt kein einziger Grund ein, warum man Religionen in heutiger Zeit und mitten in Europa hofieren sollte. Im Gegenteil. Und das gilt für alle Religionen. Religion ist hier nun einmal Privatsache. Wieso muß man sich in der Öffentlichkeit von Kruzifixen und Burkas behelligen lassen? Wenn jeder glaubt, was er will, ist das doch okay. Aber ich möchte es nicht von den Anhängern des Aberglaubens ständig aufs Brot geshmiert bekommen. Wie sie es ja auch stört, wenn ich meinem Unglauben Ausdruck gäbe. Insofern handelt der Staat doch völlig korrekt, wenn er den Protagonisten verbietet, in öffentlichen Gebäuden ihren Faschingsputz anzulegen. Denn die Religionen sind anachronistisch, schüren den Haß auf Andersdenkende und haben im offiziellen Bereich nichts zu melden (so sollte es wenigstens sein).


